Nachts im Camp

Noch ein letztes Glas Weins beim Auto im Schein einer nackten Glühbirne am Leberwurstbaum, dann Zähne putzen und ab in unser Zelt. Ich bin müde, weil ich schon seit fünf wach bin. Auf meiner dünnen Matratze rolle ich mich zusammen und falle sogleich in einen leichten Schlaf. Es ist sehr heiß.
Schlagartig erwache ich. Ein Rascheln und Knacken dicht vor dem Zelt. Ich versuche zu erkennen, was hier in der Dunkelheit solche Geräusche macht. Durch die Gaze sehe ich im Licht des abnehmenden Mondes erst einmal nichts, bis ich begreife, dass das große Grau vor mir ein riesiger Elefant ist, der die Büsche vor meinem Nachtlager etwas zurückstutzt. Der Abstand zwischen mir und ihm sind etwa 5 Meter und ein Stück Zeltstoff. Mit klopfendem Herzen beobachte ich ihn.
Von links nähert sich eine zweite mächtige Silhouette. Gemeinsam zerpflücken die beiden Gesellen das Gestrüpp vor mir, dann ziehen sie ein paar Meter weiter. Ich lege mich wieder hin und lausche der nächtlichen Geräuschkulisse. Ganz in der Nähe grunzen und pupsen die Hippos. Ich entspanne mich und beginne weg zu dösen.
Plötzlich beginnt ein Löwe zu brüllen. Mir stehen die Haare zu Berge. Weiter weg bellen die Wildhunde, ein zweiter Löwe brüllt dem ersten zurück und ein dritter mischt sich ein. Da muss auch das Hippo beiläufig grunzen.
Es wird wieder ruhiger um mich. Nur ein paar Nachtvögel und Grillen sind zu hören. Auch ich lege mich wieder hin. Gefühlte fünf Minuten später geht das Chaos erneut los. Die Elefanten sind wieder zurück. Der Leberwurstbaum wird kräftig gerüttelt und geschüttelt. Ein kräftiges Schnauben wird hinterher geschickt. Vom anderen Ufer melden sich wieder die Katzen und ich schaue auf die Uhr. Die halbe Nacht ist vorüber und an Schlaf ist nicht zu denken.
Die Elefanten bearbeiten weiter mit Begeisterung die Vegetation. Die Löwen versuchen sich gegenseitig zu übertönen und die Hippos grunzen und pupsen im Chor.
Irgendwann bin ich einfach zu müde um dem Treiben weiter beizuwohnen und schlafe tatsächlich ein.
Da klingelt der Wecker.

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